Mit 7-Meilen-Stiefeln

DSC_2662Der 1. Juni kam und mit ihm der offizielle Start der Hurricane-Saison in der Karibik. Für uns bedeutete das nachdenken über unsere Zukunft. Es gab zwei Optionen: entweder noch weiter Richtung Süden bis Grenada oder zurück nach Norden auf unsere BVIs. Die Entscheidung fiel schnell und so machten wir uns von St. Lucia langsam auf den Rückweg nach Norden.

Zunächst zurück nach Martinique. Boot aufklaren und beim „Leader Price“, dem örtlichen Aldi, verproviantisieren. Französischer Wein, Käse, Schinken, deutsches Bier. Am Ende sah SCOOBY aus, als würde er sich direkt auf eine Weltumsegelung machen.

Für den eigentlichen Rückweg gab es ebenfalls zwei Optionen: entweder die gesamten Leeward-Inseln wieder hoch tingeln bis nach St. Martin und von dort aus auf die BVIs, so quasi Insel-Hopping machen, oder die kühne Variante. Von Martinique aus in einem langen Schlag nonstop quer rüber… Das wären drei volle Tage und drei volle Nächte…

Seltsamerweise fiel auch hier die Entscheidung relativ schnell. Und so bereiteten wir uns plötzlich auf unseren längsten Törn vor! Navigatorisch war die Sache eigentlich ganz einfach. Bei den zu erwartenden Wind- und Wellenverhältnissen würden wir ab unserem südlichen Startpunkt LE MARIN nach dem DIAMOND ROCK auf 335 Grad gehen. Bei geschätzten 5 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit (was 5 Seemeilen pro Stunde bedeutet), würden wir die ca. 350 Seemeilen bis hoch nach JOST VAN DYKE, wo Diana einchecken wollte, in ziemlich genau 72 Stunden machen.

Das passende Wetterfenster öffnete sich und am Donnerstag, gegen 11:00 Uhr ging es los. Das erste kleine Mini-Stück von LE MARIN bis nach DIAMOND ROCK war dann auch gleich zum Abgewöhnen. Dunkelgrünes, schaumiges Wasser, die Wellen waren kabbelig, kamen von links oder rechts, von vorne oder von hinten. Regengüsse, böiger Wind, der die Berge runter schoss und starke Strömung taten ihr übriges. Dies war wieder mal nicht die Karibik, die man sich sonst so vorstellt. Kein spiegelglattes, türkisfarbenes Wasser, kein lieblicher, hellblauer Himmel. Dies hier glich eher einem ambitionierten Schwerwetter-Segeltag im November vor der Bretagne. Doch gleich hinter Diamond Rock änderte sich das. Wir gingen auf 335 Grad…

Und das Boot ging gut. Sehr gut. Spielend machten wir mindestens 7 Knoten Fahrt. Mal 8, auch mal 9. Wir hatten das Großsegel im zweiten Reff und auch die Fock war sichtlich verkleinert. Und trotz dieser Geschwindigkeit und starken Seegangs lag SCOOBY fest im Wasser. Wir fraßen die Seemeilen. Vom zweiten Wegpunkt zum dritten brauchten wir gerade einmal 2 Stunden und 35 Minuten. Für 18 Meilen. Das waren über 7 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit! Irgendetwas war anders als sonst. Irgendetwas stimmte hier nicht. Wir waren einfach viel, viel schneller als sonst…

Bei Einbruch der Dunkelheit hatten wir Martinique bereits weit hinter uns gelassen und Richtung Osten ließ sich das Leuchtfeuer am südlichen Ende von Dominica nur noch erahnen. Es hätte auch ein funkelnder Stern sein können. Der Mond ging schräg hinter uns auf und beleuchtete die gesamte Szenerie. Die schwarz-glitzernde See mit wabernden Wellen und weißen Schaumkronen drauf. Ansonsten kein Schwein in Sicht. Kein Boot. Kein Gar-Nichts. Hier waren wir absolut allein. Wo waren bloß alle? Morgen würde wenigstens Vollmond sein. Und Mittsommernacht…

Die Nacht verging schnell. Diana kämpfte gegen Seekrankheit, ich gegen Müdigkeit. Ansonsten ging das Boot immer noch höllisch gut und hinterließ dabei so etwas wie ein lautes Zischen, Pfeifen oder sogar Brummen. In der Dunkelheit schärfen sich die Sinne. Und das macht einen auch schreckhafter. Jedesmal hab ich mich fast zu Tode erschrocken, wenn eine Welle direkt neben SCOOBY brach oder gegen seine Bordwand schlug. Das brodelnde Wasser steigt dann laut gurgelnd in die Höhe und nimmt dabei Gestalt eines Seeungeheuers an, das aus der Tiefe zu mir empor gestiegen ist, um mich zu holen! Das hält einen wenigstens wach oder weckt einen aus dem Sekundenschlaf…

Der nächste Morgen beginnt feucht. Noch von Dominica oder schon von Guadeloupe ziehen ein Squall nach dem anderen über uns hinweg. Das sind schwere Regenschauer mit Starkwind, bei denen wir immer mindestens die Fock bergen müssen. Am Himmel ist eine ganze Allee von Squalls sichtbar. Ist einer weg, kommt auch schon der nächste. Wir aber schieben uns hier durch, wie ein Frosch bei der Überquerung einer dicht befahrenen Autobahn. Nur der letzte erwischt uns mit voller Wucht. Du siehst eine graue, zischende Wand wie in Slowmotion auf dich zukommen. Es gibt kein Entkommen. Und dann geht es los. Plötzlich mittendrin. Nur noch Rauschen und Jaulen. Das Boot jagt durch die Wellen. Horizontaler Regen sticht auf der Haut wie tausend Nadeln. Die Schlitzaugen brennen dir. Die Sicht geht fast auf Null und du krallst dich am Steuerrad fest, um die Kontrolle über das Boot nicht zu verlieren. Du denkst „Au Mann!“

Aber dann ist der Spuk auch schon vorbei. Es ist so, als ob einer einen grauen Vorhang hebt. Der Regen zieht weiter. Du siehst, dass es keine 10 Meter neben dem Boot wie aus Kübeln schüttet und diese Wand sich langsam entfernt. Hier strahlender, hellblauer Himmel. Und grelles, warmes Sonnenlicht zaubert plötzlich den schönsten Regenbogen der Welt! Direkt über unserem Boot. Nein, direkt in unserem Boot! Wir sind Mitten drin. Mitten im Regenbogen! Wir strecken die Hände aus, um ihn zu berühren und sind sprachlos vor Glück… Auf See begegnen Dir magische Momente.

An SCOOBYS Bug gesellt sich ein lustiges Tümmler-Pärchen zu uns und gleitet majestätisch springend durch die Wellen. Wir trocknen uns und es gibt frischen Kaffee und Frühstück. Jedenfalls für mich.

Der Tag vergeht ansonsten wie im Flug – und das fast im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das, was SCOOBY hier veranstaltet ist weniger wie segeln, sondern eher wie fliegen. Mit 10,6 Knoten stelle ich fast nebenbei einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf.

Vorm Abend haben wir dann aber ein Problem. Wegen unserer hohen Geschwindigkeit muss ich unsere Streckendaten komplett neu berechnen, wann wir wo ungefähr sind. Ich war von 5 Meilen die Stunde ausgegangen. Das sind am Tag 120 Meilen. Nun machen wir aber schon seit fast 1 ½ Tagen über 7 Knoten Fahrt. Das sind 170 Meilen am Tag. Folglich sind wir viel weiter vorangekommen, als geplant. An und für sich ist das noch kein Problem, führt uns doch unser Kurs geradewegs durch Wasser, das mancherorts fast 3.000 Meter tief ist und uns ansonsten kein Land in die Quere kommt. Bis auf eine kleine Ausnahme: die SABA BANK…

Unser direkter Weg von Martinique auf die BVIs führt uns direkt über die SABA BANK. Von über 1.000 Meter Wassertiefe steigt der Meeresgrund in kürzester Entfernung steil auf ungefähr nur noch 10 – 20 Meter Wassertiefe an. Wie ein gewaltiger Unterwasser-Tafelberg. Für ein Boot mit 2 Meter Tiefgang eigentlich kein Problem, wenn nicht auf der Seekarte für dieses Gebiet „ATTENTION: OCCASIONALLY DANGEROUS SEAS“ in furchterregend roten Lettern verzeichnet wäre.IMG_4791

Und das ist auch nachvollziehbar. Dafür muss man kein Seemann sein, um das zu verstehen. Da rollt aus Osten die unendlich große Masse von Wasser unaufhörlich Richtung Westen und hat dafür normalerweise 1.000 oder 2.000 Meter Wassertiefe Platz. Und plötzlich ist da so ein Unterwasserberg im Weg, gegen den diese ganze gigantische Masse fließt. Klar, dass es da bei viel Wind oben „ab und an mal zu etwas gefährlicherer See“ kommen kann.

Wir haben das natürlich schon vor unserer Abfahrt gewusst und darüber diskutiert. Da die Bank aber mit über 40 Meilen Breite sehr groß ist, kam für uns eigentlich kein langer Umweg in Frage. Denn die vorausgesagten Wetterbedingungen würden ein Überqueren der Bank noch zulassen. Zudem würden wir gegen 10 Uhr morgens am Rand der Bank ankommen und sie bei Tageslicht durchsegeln.

Das aber war nun unser Problem. Denn durch das viel höhere Tempo würden wir jetzt schon um 10 Uhr abends dort sein und wären die ganze Nacht hindurch auf der Bank.

Da Diana leider immer noch an Seekrankheit litt und ich die Nachtschicht übernehmen müsste, überließ sie mir die Entscheidung. Hmmmmm…

Nach nochmaligem Hin und Her und Abwägen aller Fakten blieb ich bei der Entscheidung. Es ging über die Bank. Dann eben bei Nacht. Das Wetter, die gute Sicht durch den Vollmond und vor allem der mit ungefähr 2,50 Meter relativ leichte Seegang rechtfertigten die Entscheidung.

Nach dem Abendessen fiel Diana nach erneuter Einnahme von Seekrankheitstabletten in einen unruhigen Schlaf. Die Dinger machen einen hundemüde. Der Mond war bereits aufgegangen und wilde Wolken jagten an ihm vorüber. Ich saß angespannt im Cockpit, festgekrallt am Steuer und blickte in die Dunkelheit vor mir, so als könnte ich etwas erkennen. Ich hatte die naive Vorstellung, ich könnte den Rand der Bank irgendwie ausmachen. Natürlich war da nichts. Nichts als Dunkelheit und unendliches Meer…

Irgendwie stieg in mir plötzlich so etwas wie ein ungutes Gefühl herauf. Keine echte Panik, nur so ein komisches Gefühl. Und je näher wir der Bank kamen, mit dieser affenartigen Geschwindigkeit, die sich nachts nochmal doppelt so schnell anfühlt, desto mulmiger wurde mir. Überall sah ich plötzlich böse Omen. Direkt in Richtung der Bank stand das Sternbild des Großen Wagens. Aber um 90 Grad gekippt, auf dem Kopf. Der Wagen sah mir plötzlich wie ein großer Leichenwagen aus! Jetzt nur die Ruhe bewahren… Dann schob sich plötzlich ein seltsames Wolkengebilde vor den Mond, das aussah wie ein großes Kreuz! Jetzt nur nicht durchdrehen… Und dann waren da diese Stimmen. Oder zumindest dieses Summen. Je näher ich dieser Bank kam. Wie eine Art Gesang. Sirenen, die nach mir riefen. Ein Jammern, ein Klagen, ein Locken. Eine Warnung etwa? Weiß rauchende Gischt stieg an der Bordwand hinauf und sah im Mondlicht aus wie gestreckt reißende Arme unglücklicher Seelen, die nach mir griffen. Jetzt nur keine Panik kriegen… Reiß Dich endlich zusammen, du Muschi!

Am Ende aber hat mich schlicht und ergreifend die nackte, kalte, digitale Wahrheit zur Vernunft gebracht. Je näher SCOOBY auf die Bank zuschoss, desto kleiner habe ich den Maßstab auf unserem Chartplotter gestellt. Eine freundliche Aufforderung brachte mich dazu. „Caution! See lower Zoom“. Von 16 Meilen, auf 8, bis die Auflösung schließlich nur noch 1 Meile auf dem fahl erleuchteten Bildschirm war. Da stand: „Zahlreiche unkartographierte Untiefen wurden berichtet. Navigieren Sie mit äußerster Vorsicht!“

„Unkartographiert“???
Das heißt nicht eingezeichnet, oder?!

Unruhig und gespannt bin ich mit dem Cursor über den ganzen Bildschirm gewandert und hab das Gebiet vor mir quasi schon im Testflug durchsegelt. Jetzt konnte ich in hoher Auflösung jede Tiefenangabe sehen und jede Beschaffenheit des Meeresgrundes checken. Und in der Tat, die ganze Bank gleicht einem riesigen Tafelberg mit einem gigantischen Plateau. Am Rand ist das Plateau übersät mit Zacken und Spitzen, die wie bedrohliche Riesendornen gen Wasseroberfläche streben. Eine Stelle war mit 7 Metern gekennzeichnet, eine sogar mit 4,60 Meter, berichtet von 1971. Und immer wieder dieser Warnhinweis. Das war zu viel für mich. Beziehungsweise zu wenig. Da müsste nur eine 5 Meter Welle kommen, die wir dann hinunter ins Tal schießen würden. Im Wellental ganz unten würde dann ein gewaltiger Gesteinsspeer warten und SCOOBY aufspießen wie ein Zahnstocher eine Olive! Danach würde die Welle weiterrollen und uns die See für immer zudecken. Nicht mit mir!

„Kursänderung!“ schrie es stumm in meinem Kopf.
„Da fahr ich nicht im Leben durch!“

Hecktischer Blick auf die Seekarte und den Chartplotter.
Und dann umgekehrt.
Dann war auch schon die Kante der Bank da.
Der Tiefenmesser stieg rasant an.
So schnell, wie noch nie zuvor.
Unmissverständlich fuhren wir direkt auf eine Unterwasser-Steilwand zu.
300 Fuß, 250 Fuß, 150, 100…
Der Tiefenmesser kam gar nicht mehr mit…

Ich riss das Steuer nach links, drehte ab Richtung West, von 335 Grad, auf 300.
Und wir schossen an der Kante lang!
Die Kursänderung und die spürbar anderen Wellen machten das Boot nur noch schneller. 9 Knoten!
Die Wellen kamen jetzt von schräg hinten.
Und ich wusste, was das bedeutet.
Noch mehr Speed!
Jetzt schiebt dich nicht nur der Wind, sondern auch noch die Welle.

Das Boot schießt die Welle hinauf und auf der anderen Seite, wenn die Welle unter dem Boot hindurch gelaufen ist, wieder herunter. Damit verbunden ist eine unglaubliche Beschleunigung. Das ist in diesem Augenblick kein Segeln mehr, sondern Surfen. Mit einem vollbepackten, 12 Meter langen, Tonnen-schweren Koloss. Das ganze musst du per Hand steuern, da der Autopilot entweder aussteigt oder du sonst etwas kaputt machst.
So liegen bestimmt noch 25 Meilen vor mir, bis ich die Bank umfahren habe und wieder Richtung Norden auf unseren ursprünglichen Kurs drehen kann.
Immer an der Kante lang.
Immer in ca. 25 Meter tiefem Wasser.
Und meine Güte sind wir schnell!
Als es eine schöne Welle hinabgeht, blinkt für den Bruchteil einer Sekunde „13,3 Knoten“ auf dem Geschwindigkeitsmesser auf.

13,3 Knoten!
Dreizehnkommadrei.
DREI – ZEHN – KOMMA – DREI!!!

Ich hatte wohl auch schon bereits seit 3 Minuten den Atem angehalten…
…und hole tief juchzend Luft und ertappe mich selbst dabei, wohl ein ganz leichtes Lächeln auf den Lippen zu haben…

Gegen 4 Uhr morgens kommt dann noch mehr Wind und es zeichnen sich wieder die ersten Squalls am Nachthimmel ab. Oh Mann.
Bei der Geschwindigkeit muss ich Diana wecken.
„Uaaaahhhhhh, wo sind wir, Lino?“ fragt sie mich ganz verschlafen.
„Am Rand! Wir sind am Rand! Und gleich wird´s nass und stürmisch! Nimm das Steuer, ich mach die Segel!“

Und so fliegen wir durch die Nacht ins Morgenrot hinein.
Von einem Squall durch den nächsten.
Nie unter 8 Knoten Fahrt.
Als die Sonne aufgeht, liegt die SABA BANK längst hinter uns und wir schießen vorbei an St. Croix in Richtung BVIs.

Bei der nächsten Positionsbestimmung gibt´s dann die unglaubliche Erkenntnis!
Wenn wir ab jetzt noch mindestens 6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit halten, sind wir noch gegen 17 Uhr vor den BVIs – und nicht erst nächsten Morgen gegen 11.

Diana huscht ein Lächeln über die Lippen und freut sich sichtlich darüber, nicht noch eine Nacht auf See im Halbkoma verbringen zu müssen. Wir entschließen uns, nicht nach Jost van Dyke zu fahren, das wäre dann zu weit, sondern gleich die erste Insel COOPER ISLAND anzusteuern.

Gegen 10 Uhr tauchen die ersten Silhouetten kleinerer Gipfel und Hügelchen am Horizont auf.

Wir kennen diese Hügel. Wir kennen diese Silhouette.
Ein unglaubliches Gefühl aus Stolz, Freude und Sehnsucht durchströmt unsere Adern.
Still sitzen wir im Cockpit.
Und irgendwie grenzenlos erleichtert.
Die Wellen sind hoch.
Mal mehr als 25 Knoten Wind.
Wieder Squalls.
Die See vor den BVIs ist unglaublich rau, aber kann uns heute irgendwie gar nichts mehr anhaben. SCOOBY liegt stabil im tosenden Wasser. Macht 8 Knoten Fahrt.
Und das fühlt sich kein bißchen schräg oder unsicher an.

Wir reden über Kolumbien.
Über Panama.
Über den Pazifik.
Dann taucht COOPER ISLAND auf.
Und wir sind so unglaublich ergriffen.
Es ist 14 Uhr.
Wir erreichen die BVIs fast 20 Stunden früher als geplant!
20 Stunden!
Was für ein Flug!

Wir durchsegeln die Passage zwischen COOPER und SALT ISLAND und sind am Ende plötzlich da, wo wir im Mai 2011 unsere allerersten Segelversuche alleine auf unserer eigenen Yacht angefangen haben.
Das Leben ist manchmal schon komisch…

NACHTRAG:
Warum war SCOOBY in diesen drei Tagen und zwei Nächten so schnell, obwohl wir nicht mehr Wind als sonst hatten?

Was uns selber so verblüfft hat, hatte eine ganz einfache physikalische Antwort.
Ballast.

Wir waren auf Martinique fast exzessiv Getränke kaufen.
Die haben wir alle in unserer hinteren, rechten Kabine verstaut.
Auf dem Kurs 335 Grad legt sich das Boot bei Ostwind auf die linke Seite.

Insgesamt hatten wir fünfzehn 8-Packs Trinkwasser in der Kabine, in jeweils 1,5 Liter Flaschen. Schon alleine das sind 180 Liter, 180 KG. Dazu kommen Milch, Saft, mindestens 4 Kisten Wein, 5 Paletten Bier, 235 Liter Frischwasser im großen Tank und zusätzlich 140 Liter Frischwasser in Kanistern. Das alleine sind über 650 Kilo – oder 9 Menschen.

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Auf jedem tollen Regattafoto sieht man nun eine Menschenkette auf der Reling eines Segelbootes sitzen, die ihre Füße über Bord halten. Die sitzen da jedoch nicht zum Spaß, sondern um dem Boot ein zusätzliches Gegengewicht gegen den Wind zu bieten. Und diese 9 Menschen saßen quasi auch während unserer Überfahrt bei uns unsichtbar auf der Seite. Das hatte zur Folge, dass SCOOBY viel schneller fahren konnte, ohne dabei zu viel Schräglage zu kriegen, die uns zum weiteren Reffen veranlasst hätte – und das Boot gedrosselt hätte.

Zudem kam ein weiterer, natürlicher Faktor zufällig hinzu. Wir hatten Vollmond und es war Mittsommernacht. Bei unserem Kurs von 335 Grad ging der Mond hinter uns auf und vor uns unter. Wasser will immer in Richtung Mond fließen. Diese „Zug-Kraft“ ist nicht zu unterschätzen und löst eine enorme Strömung aus. Auch ohne irgendein Segel hätten wir wahrscheinlich immer noch 2,5 oder 3 Knoten Fahrt gemacht…

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2 Gedanken zu „Mit 7-Meilen-Stiefeln

  1. Spannender als jeder Krimi!!! Lob an den Schreiber und liebe Grüße an die Seekranke. Lg Kerstin

    Von meinem iPad gesendet

  2. Das war eine Meisterleistung ! congratulate on m Record “ 13,3 m knot“ , who which of yon n wine cask when Daddy not advhere. Ich hoffe es ist richtig geschrieben und Diana hat die Seekrankheit überstanden liebe Grüße an euch beide Papa & Mama

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