7 Wochen Deutschland + 13 Std. Atlanta = wie 7 Jahre Tibet

IMG_3634Noch ein paar Tage, bis es nach Deutschland geht! Unser erster Landurlaub seit 1 ½ Jahren. Endlich Familie und Freunde wiedersehen! Vorher gibt es aber noch einiges zu tun, denn kurzerhand haben sich unsere Pläne geändert:wir lassen SCOOBY nun doch nicht im Wasser zurück. Er wird aus dem Wasser gehoben und steht dann trocken auf dem Boatyard hinter der Marina. Dort ist er nicht nur noch sicherer bei einem Hurricane, sondern bekommt auch einen neuen Antifouling-Anstrich von unten, während wir in Deutschland sind. Dank Adrian konnten wir noch einen dieser heiß begehrten Hurricane-Stellplätze ergattern.

Wir bauen alles, was bei einem Sturm wegfliegen könnte, ab und tuckern nach einer Woche fiebriger Vorbereitungen die Marina hinauf bis in den letzten Winkel. Dort steht ein überdimensionaler Kran, der SCOOBY an zwei Schlaufen einfach aus dem Wasser heben soll. Das ist der gleiche Kran, an dem auch letztes Jahr die VIRGINIA B. hing, bevor eine der beiden Schlaufen riss und das ganze Boot Diana fast auf den Kopf gefallen wäre. Verständlicherweise haben wir ein mulmiges Gefühl und Diana ist super aufgeregt. Als wir den Kran um Punkt 13 Uhr erreichen, ist keine Menschenseele zu sehen.

„Mist, da ist kein Schwein, das uns helfen kann SCOOBY festzumachen! Typisch Karibik – von wegen 13 Uhr!“, ruft Diana.

Langsam schiebt sie sich weiter rückwärts mit dem Boot in das Betonbecken, über das dann der Kran rollen soll. Und siehe da, wie aus dem Nichts hüpfen plötzlich je vier farbige Männer auf beiden Seiten des Beckens aufgeregt umher und staunen nicht schlecht, als Diana das Boot gekonnt und auf den Punkt zum Stehen bekommt. Ich werfe den Jungs die Leinen zu, justiere überall nochmal die Fender und springe selber von Bord. Und dann geht alles ganz schnell. Das Boot wird von den Männern in die Mitte des Beckens gezogen, der Kran rollt mit einem ohrenbetäubenden Lärm über SCOOBY hinweg, die zwei riesigen Schlaufen werden unter den Rumpf gezogen und dann geht es aufwärts!

Diana steht noch immer am Steuer und brüllt mir irgendetwas zu, als SCOOBY schon halb aus dem Wasser ist. Ich verstehe kein Wort.
Sie winkt und ruft. Wortfetzen dringen zu mir herüber.

Ich glaube, sie meint, es wäre doch wohl illegal, ein Boot mit einer Person darauf aus dem Wasser zu heben.

Und in der Tat. Noch nie hatten wir gesehen, dass bei diesem Manöver jemand an Bord seines Bootes bleiben durfte bzw. sollte.
Aber zu spät. SCOOBY ist schon draussen und schwebt jetzt über dem Wasser.

Diana hängt sprichwörtlich in den Seilen und starrt mich mit weit aufgerissenen Augen fragend an. Dann geht’s rückwärts. Der Kran rollt und hebt SCOOBY bis ans Ende des Betonbeckens. Und plötzlich lässt der Kranführer SCOOBY wieder ein gutes Stück runter, so dass sein Heck ungefähr 5 Zentimeter vor der Kaimauer zum Stehen kommt.
Ein Arbeiter tritt demütig ans Heck heran und signalisiert Diana fast mit höfischer Ettikette, sie könne jetzt aussteigen. Die anderen Arbeiter stehen im Halbbkreis Spalier dahinter, mit leicht verneigten Häuptern. Der Erste reicht ihr seine Hand und Diana hüpft dezent lächelnd graziös wie eine Feder von Bord…
Kein schlechter Auftritt, Prinzessin!

Nach knapp 5 Minuten ist der Spuk vorbei und SCOOBY steht sicher an Land.
Sieht irgendwie komisch aus. Wir machen die letzten Sachen fertig und verbringen die Nacht bei Nick und Jayne.

Keine 24 Stunden später sitzen wir in der Fähre nach St. Thomas, der Hauptinsel der Amerikanischen Jungferninseln. Von dort ab in den Flieger und nach zwei Mal Umsteigen waren wir im Nu in Hamburg…

HAMBURG!

Sandy holt uns vom Flughafen ab und es passiert etwas, was sich fortan bei jedem nächsten Wiedersehen wiederholen sollte: man ist sich nicht fremd, alles ist wie immer, so als wäre man mal eben kurz weg gewesen. Was für ein tolles Gefühl!

Wir quartieren uns erstmal bei Tini, Steffen und Emma ein und leben die erste Woche in dieser Red Bull-Familie wie die Maden im Speck.

Als wir uns nach einigen Tagen das erste Mal mit meinen Eltern treffen und fröhlich schnatternd den Nachmittagskaffee in der Schanze genießen, wird mir plötzlich bewusst, warum dieses Gefühl so ist. Es ist dieser Blog!
Meine Eltern wissen jetzt mehr von meinem Leben, als vorher.
Irgendwie komisch. Da geht man in die Ferne und kommt sich doch irgendwie näher.

Und noch einen zweiten, positiven Nebeneffekt hat dieser Blog. Fast keiner fragt uns die obligatorische Frage: „Na, wie war´s denn? Erzählt doch mal!“.
Denn wo sollte man da bloß anfangen?
Alle sind im Bilde und wir müssen fast gar nichts über unsere Reise erzählen. Das lässt viel mehr Zeit für die Dinge, die sich in der Zwischenzeit bei unseren Freunden und Familien getan haben. Und gerade deshalb sind wir auch nach Hause gekommen.

Nach Hause…
Wo ist eigentlich unser zuhause?
Diese Frage hat sich mir ganz zwangsläufig gestellt.
Immer noch in Hamburg?

Die Antwort kam dann irgendwie schneller, als gedacht und war auch irgendwie weniger dramatisch, als gedacht.
Denn nein, Hamburg ist nicht mehr unser zuhause.
Unser zuhause ist SCOOBY, unser gemeinsames Leben, unsere Ehe.

Hamburg ist und bleibt für uns beide ein großes Stück Heimat.
Aber das ist auch Schwarzenbek für mich oder Albstadt für Diana.

Ansonsten vergehen die 7 Wochen Deutschland wie im Fluge.
Zwischen Hamburg – Berlin – Kuddewörde – Albstadt – Heilbronn – Köln bleibt kaum Zeit für Zweisamkeit.

Wir lernen neue Menschen kennen:
Karlotta Mononoke, die supersüße Tochter von Gunnar und Sheila;
Georg, Anja´s neuer Partner;
und Eva, Ralph´s neue Freundin.

Und ich hatte das große Vergnügen, endlich Friedrich´s Brüder Bernhard, Paul und Heiner kennenlernen zu dürfen. Was für eine Wahnsinns-Truppe!

Was gab es noch?
So viel mehr!
Wir hatten 24 zauberhafte Stunden in Berlin.
Kindergeburtstag mit Emma ist wie Weihnachten und Ostern an einem Tag.
Wir haben ein grandioses Sommerfest in Kuddewörde gefeiert.
Morgens am Frühstückstisch mit Livi „Deep Sea Baby“ zu singen ist toller als ein Heimsieg des HSV.
„Die Drei Fragezeichen“ hören mit Jakob und Moritz ist jetzt schon Tradition.
Mit Dirk habe ich seine neue Firma Lifethek begossen. Gebührend, das kann ich sagen.
Oma und Opa Schick sind immer noch die Alten – und sind dabei kein bißchen gealtert.
Wenn man mit Hartmut im „Brauhaus ohne Namen“ Fußball guckt, kann der 1. FC Köln plötzlich wieder siegen.
Bei den Landmann´s geht´s immer noch drunter und drüber, wie eh und je.
Felix ist noch goldiger geworden und wäre für mich die Starbesetzung fürs nächste Christkindl-Musical.
Mit Liele und Johann einen mittelalterlichen Rattenmenschen zu verfolgen, war selbst für mich eine neue Erfahrung.
Dank Scarlett durfte ich meine Modedesigner-Ader entdecken.
Mit Steffen habe ich mal wieder den Sinn des Lebens gesucht.
Mit Deborah, Kai-Achim und Christiane alte Zeiten aufleben lassen.
Und Ralph und Eva passen einfach gut zusammen ;-))

 Und dann habe ich bestimmt noch die Hälfte vergessen.

Aber am allertollsten waren die Momente mit „unseren” Kids, auch wenn sie noch so kurz waren: Emma, Livia, Lieselotte, Jakob, Moritz, Johann, Felix, Lenny, Karlotta, Mathilda und Scarlett. Vielen Dank dafür und bis hoffentlich bald!

Der Rückflug kam dann schneller, als gedacht. Zum Schluss blieb kaum noch Zeit, noch offene Termine zu erledigen. Wahnsinn, wie schnell 7 Wochen vergehen können.

Vollkommen erschöpft sitze ich mit einer sehr traurigen Diana im Flieger zurück in unser Leben. Ihr war mal wieder alles viel zu kurzweilig und damit hat sie immer zu kämpfen, wenn die schönen Momente im Leben einfach viel, viel, viel zu schnell vergehen.

Dann Zwischenstopp Atlanta. 13 Stunden Aufenthalt. Von 9 Uhr abends bis nächsten Morgen 10 Uhr. Das hat pro Person 400 Euro gespart.
Vor der Flugbuchung hatte ich gelesen, Atlanta sei der höchst frequentierteste Flughafen Amerikas. Mehr Flieger als in New York, Chicago oder Dallas. Irgendwie hatte ich mich sogar darauf gefreut. Nach einem langen Transatlantikflug Zwischenhalt in Atlanta. 800 Euro gespart. Heiße Original-Hamburger, eine Sportsbar neben der anderen, mit jeweils 25 Sorten frischem Fassbier, Spareribs-And-Shrimps-All-You-Can-Eat satt, vielleicht sogar ein Casino, Kino oder sogar mehr…

Doch als wir endlich aus der Security raus waren und im Flughafen drin, da mussten wir uns sputen, überhaupt noch irgendwo einen lauwarmen Burger abzustauben. Wer noch nicht zu hatte, machte das bis spätestens 22:30 Uhr. Keine Bar, kein Bier, kein Burger.
Hallo, das ist doch hier Amerika?!
Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.
Was folgte war eine Nacht der Meditation.
In grellem Neonlicht.
In einem menschleeren Flughafen.

Kein Witz. Ab 23 Uhr waren Diana und ich die EINZIGEN Menschen im ganzen Flughafen. Nein, gefühlt auf der ganzen Welt!
Auf einer eisenharten Sitzbank fiel Diana sofort in ihren tiefen Schlaf.
Ich hingegen war hellwach.
Und irgendein Arsch hatte zu allem Überdruss auch noch vergessen, die Endlos-Tonband-Schleife der Airport-Security-Hinweise abzuschalten. Nun tönte es im ganzen, menschenleeren Flughafen die nächsten 12 Stunden ununterbrochen auf mich ein, ich solle doch bitte auf mein Gepäck Acht geben, den nächsten Officer alarmieren, sobald ich etwas Auffälliges bemerken würde und ich möge doch bitte bloß nicht von der Rolltreppe fallen.

Nach einer knappen Stunde fühlte ich mich wie in Guantanamo oder Abu Ghreib. Weichgekocht. Bereit, zum Aufgeben.
Doch dann stellte sich Gleichmut ein und alles um mich herum verschwamm.
Ich setzte mich im Schneidersitz auf eine Bank und schloss die Augen.
Bilder der letzten 7 Wochen zogen an meinem inneren Auge vorbei.
Fröhliche Bilder, Momente voller Liebe und Glück.
Und was ich schon immer wusste, wurde mir plötzlich wie eine Erleuchtung noch bewusster:

Was haben wir doch für tolle Familien.
Was haben wir doch für tolle Freunde.

Ein zufriedenes Grinsen machte sich über meinen Lippen breit. So zufrieden, wie eigentlich nur ein tibetanischer Mönch sein kann.

 

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Ein Gedanke zu „7 Wochen Deutschland + 13 Std. Atlanta = wie 7 Jahre Tibet

  1. Es freut uns das ihr den Aufenthalt in der Heimat genossen habt uns ging es genauso die schönen Stunden in Hamburg Albstadt Heilbronn waren einfach toll und wie die Kinder groß geworden sind Livia Liselotte Johann Moritz Jakob das war eine Freude danke bis zum eurem nächsten Heimat Urlaub aber wir kommen vorher in die Karibik liebe Grüße Mama & Papa

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