Petri-Nicht-Heil vor „Den Heiligen“

Das Städtchen Deshaies auf Guadeloupe ist ein kleines Fischerdörfchen. Jeden Tag sehe ich die Fischer hinaus aufs Meer fahren. Es muss hier also Fisch geben. Eines Tages setzt spätnachmittags Regen ein.
Ein Fischer nach dem anderen tuckert hinaus.
DAS ist meine Chance, denke ich mir. Angel raus und hinterher! 

Die letzten Angelversuche blieben leider immer nur Versuche – irgendwie beisst nichts an. Irgendwas mache ich wohl falsch…

Bis ich meine Angel samt Köder bereit habe, hat der Regen aufgehört und die Hälfte der Fischer ist schon wieder im Hafen. Ich fahr trotzdem in Roter Oktober raus.

 Die See ist ruhig nach dem Regen, spiegelglatt.
Ich schmeiss die Angel raus und tuckere aufs offene Meer hinaus.
Hinter mir ziehe ich die Schnur hinterher mit einem super-leckeren Köder dran.
Also ich würd da glatt selber reinbeissen…

Aber auch diesmal wieder tut sich nichts.
Es ist doch zum heulen!

Doch dann plötzlich gibt´s einen kleinen Ruck und dieses schnelle, schrille Surren der Angelschnur, die sich in einem Höllentempo von der Rolle spult. Magische Musik in den Ohren eines jeden Fischers! Jetzt heißt´s Ruhe bewahren! Alles richtig machen! 

Die Rolle spult und spult und spult – gleich steigt bestimmt Rauch aus ihr auf!

Mit beiden Händen halte ich die Angel krampfhaft fest, wie ein kleiner Junge, dem der große Bruder sein Lieblingsspielzeug wegnehmen möchte… Das ist ein großer Fang – Dich geb ich nicht mehr her!

Immer fester und fester drehe ich das kleine Rädchen, mit dem ich die Rolle bremsen kann, so dass der Fisch nicht mehr weiter mit der Schnur abhauen kann. Und irgendwann ist die Schnur fest. Nun zieht der Fisch direkt an der Angel und am ganzen Dinghy! Ich hatte den Motor beim ersten Biss sofort auf Leerlauf geschaltet und trieb. Doch nun plötzlich bewegt sich Roter Oktober rückwärts…

Oh mein Gott, der Fisch zieht uns auf´s offene Meer hinaus!

Langsam und behutsam fange ich an, die bestimmt 200 oder 300 Meter Schnur, die der Fisch bei seiner Flucht abgespult hatte, wieder einzuholen.

Langsam. Nur sachte!

Der Fisch kämpft und zieht mich immer weiter raus. Ich kämpfe. Wir kämpfen!

Was ist das bloß für ein starker Fisch…

Und nach einer halben Ewigkeit habe ich den Fisch so nah am Dinghy dran, dass ich ihn unter Wasser kämpfen sehen kann.

Groß. Geschmeidig. Wendig und stark. Sehr stark. Und schön!

Für einen kurzen Augenblick tut mir der Anblick leid.

Doch sofort ist das seit Jahrmillionen verwurzelte Jäger-Gen in mir zurück. Ich bin der Jäger, der Fisch der Gejagte. Ich oder er? Was sagt Diana zu mir, wenn ich diesmal wieder mit leeren Händen zurückkomme? Ich oder er? 

Er! Ich hab ihn endlich direkt dran am Dinghy und zieh ihn raus. Was für ein Anblick! Eine riesige Königsmakrele! Bestimmt 60 oder 70cm lang. Bestimmt zwanzig, fünfundzwanzig Pfund schwer. Der Fisch guckt mich mit weit aufgerissenem Maul an. Scharfe Zähne blitzen im Sonnenlicht. Der Fisch schnappt – und im gleichen Augenblick packe ich den Brummer mit einem seltsam gekonnten Griff hinten am Kopf an seinen Kiemen und greife mit der anderen Hand die bereitstehende Flasche Rum und verpasse dem Fisch einen guten halben Liter direkt in sein Maul und über seine Kiemen…

Der Fisch ist sofort tot – ohne dass ein Tropfen Blut fließt.

Stolz wie Oskar komm ich erschöpft aber überglücklich bei Diana an, die nach einem kurzen Glückwunsch sofort feststellt, dass der Fisch doch viel zu groß für uns zwei sei… 

Also fahr ich rüber zu unseren Nachbarn. Die waren gestern Abend in unsere Bucht gekommen. Schweizer. Marco und Rahel. In unserem Alter und sehr nett, mit einer ähnlichen Segelgeschichte wie unsere. Doch die beiden haben schon Essen, laden uns aber auf ´ne halbe Stunde auf ein Bier ein. 

Aus der halben Stunde werden sechs. Die Schweizer! Marco ist Angler, wie ich und wir verabreden uns zum gemeinsamen Jagen. Die Mädels wollen währenddessen Mädelstag machen.  

Fast um Mitternacht tuckern Diana und ich zurück aufs Boot und es gibt zu später Stunde Fish&Chips satt. SATT. SAAAAAAAAATTTTTTTT!

Nach dieser Heldengeschichte hatte ich Lust auf mehr Fisch.

Zwei Tage später sitze ich mit Marco im Boot, bewaffnet mit zwei Angeln und diversen Ködern und wir drehen unsere Runden…

Marco erzählt von seinen Angelerfolgen auf den Bahamas. Ich erzähle von meinen ersten Gehversuchen.

Stunde um Stunde.
Aber am Ende Nichts!

Marco und Rahel fahren weiter Richtung Süden, Richtung Grenada, für die Hurricane-Saison.

Und auch irgendwann fahren Diana und ich weiter. Richtung LES SAINTES, einer kleinen Inselgruppe südlich von Guadeloupe, günstig auf dem Weg gelegen nach DOMINICA.

Als Guadeloupe hinter uns liegt, hol ich die Angel raus. Hoch am Wind schießen wir in Richtung Süden. Das Meer ist wild und es riecht förmlich nach Fisch…

Und dann ist es plötzlich wieder da, dieses magische Geräusch. Aus heiterem Himmel. Die Trommel surrt wie verrückt. Diana kümmert sich ums Boot, ich greife die Angel aus der Halterung und kann´s kaum glauben: was für ein Zug! Mit beiden Beinen muss ich mich abstützen, um nicht sofort über Bord gezogen zu werden! WOW! Was bitte hab ich da am Haken?!

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: nach 100 Meter weiter abgespulter Schnur steigt der Fisch plötzlich aus dem Wasser! Er springt auf dem Rücken fliegend in einem hohen Bogen quer durch die Luft und klatscht wieder ins Wasser… 

Ein MAHI-MAHI!
Mein TRAUM!

Sofort habe ich diesen Fisch erkannt. Jedes Baby erkennt diesen Fisch sofort. Er ist grün-gelblich. Und hat einen unglaublich klobigen Kopf. Irgendwie hässlich, aber super-lecker!

Und mein Exemplar ist mindestens so groß wie Diana!
So groß wie Diana – und springt durch die Luft!

Ich schrei vor Glück – doch hab mich zu früh gefreut: nach einem kurzen, aber harten Kampf gibt es einen harten Ruck, ich flieg fast auf meinen Arsch und der Fisch ist weg! WEG! Heute bleibt die Küche kalt… 

Wir kommen auf LES SAINTES, einer wunderbaren Inselgruppe, an und – treffen Marco und Rahel wieder.Wir liegen nebeneinander und tauschen Anglerabenteuer bis spät in die Nacht aus. Marco und ich fahren nächsten Tag wieder zusammen raus. Und – wieder nichts! Dann müssen die Beiden wieder weiter. 

Aber ich gebe nicht auf und beschließe mit Roter Oktober erneut rauszufahren. Diesmal mit Diana…

Überall springen Fische aus dem Wasser! Wir fahren immer weiter. Durch stürmische Meerengen und kabbelige Strömung. Die Wellen werden immer höher und es wird langsam dunkel. Und dann fängt auch noch Roter Oktober an, Luft zu verlieren! Und wir sind verdammt weit draussen. Diana steuert, wie immer, und ich angle. Ich angle, als ob es kein Morgen geben würde… Aber nichts.

Irgendwann beißt dann sogar ein kleiner, aber super-hässlicher und ungenießbarer Fisch an, der eigentlich hätte gar nicht anbeißen dürfen, da er seiner Nahrung normalerweise nicht hinterher schwimmt. Nun gut , denk ich mir, den läßt du gleich dran, als Lebendköder quasi. Wenn´s damit nicht klappt, dann ja wohl nie. Ich zieh also meinen Haken hinterher, mit einem super-tollen Köder dran. Echt – nix Plastik. Und siehe da: es macht SCHNAPP! Und was für ein Schnapp! Ein kurzer Ruck, ein kurzer Zuck. Dann Totenstille. Ich hol die Angel ein und finde nur noch den letzten Rest des Köderfisches dran. Den hat irgendein super gieriger Jäger einfach abgebissen. was für eine Sauerei!

Genervt gebe ich auf und bevor Diana noch die Scheidung einreicht, fahren wir schlecht gelaunt zurück zu SCOOBY.

Von wegen Petri Heil.
Da war nichts heil!

Und wenn´s demnächst mal wieder Fisch geben soll, dann wird wieder voller Respekt und Demut zum Fischmann gegangen…

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