Zwei ungleiche Schwestern

Nach SABA und STATIA gings weiter Richtung Süden. Vor uns lagen zwei Inseln, die verwaltungstechnisch zwar zusammengehören, aber unterschiedlich wie zwei ungleiche Schwestern sind: ST. CHRISTOPHER – kurz ST. KITTS – und NEVIS. 

Beide tragen ein britisches Erbe und natürlich die unsägliche Sklavengeschichte. Zuckerrohr, Baumwolle, Tabak. Ungerechtigkeit und unendliches Leid über Jahrhunderte. Na ja, wir Deutschen waren auch nicht besser… 

In ST. KITTS angekommen müssen wir erstmal in einer Marina Unterschlupf suchen – das erste Mal seit Monaten. Eine Tropical Depression zieht auf, mit Sturm und Regen. Die Insel ist groß und bergig, saftig grün bewaldet, wildes Wetter und tiefliegende Wolken. 

SCOOBY kriegen wir am letzten Platz kurz vor Einbruch der Dunkelheit gerade noch rechtzeitig festgemacht. Dann wollen wir in die Stadt. Eine freundliche, aber bestimmte Einheimische in Security-Guard-Uniform versucht uns am Ausgang der Marina davon abzuhalten. Denn schließlich seien wir noch nicht einklariert, also haben noch kein Zoll-, Immigration- und Hafenkrams gemacht. Das geht erst Morgen. Aber so lange warten? Nö! 

Für das freundliche Mädchen in Uniform sei der Versuch des unerlaubten Verlassens des Marinageländes eine „offense against her country“. Ich versuche ihr ruhig und höflich zu verklickern, dass ich niemanden „offensen“ wollte und schon gar nicht sie oder gleich ihr ganzes Land.

 „OK“, sagt sie.
„But don´t go too far! And don´t get into trouble…“.
Nö, tun wir nicht.

Keine 200 Meter weg von ihrem Wärterhäuschen wummert die erste Disco. Bass, viel Bass. Es riecht nach aufgebrezelten Chicas und nach aufgespießtem Chicken. Nix wie rein…

10 Dollar Eintritt pro Person, die die 4 muskulösen Türsteher a la Mike Tyson von uns haben wollen, sind uns dann aber doch zuviel. Wir winken ab und wollen gehen, die 4 Herren aber winken uns rein, wir sollen bleiben. Toll! 

Innen drin sind wir die beiden einzigen Weißen, die beiden Quoten-Deutschen. Mich mustert man argwöhnisch, Diana wird angehimmelt. Umgeben von unzähligen Nachwuchs-Pee Diddies, Snoob Doggies, Rihannas und Byoncés verbringen wir eine nette Nacht, diskutieren über Deutsche Bierbraukunst und checken uns am Ende unversehrt wieder bei unserer Security Dame am Marinaeingang ein. 

Am nächsten Tag ist der Sturm da – der uns weiter keine Beschwerden macht.

In der folgenden Tagen besuchen wir einige Buchten, werden aber irgendwie nicht ganz warm mit ST. KITTS. Irgendetwas stimmt hier nicht…

Alles ist unverhältnismäßig teuer und die Leute sind irgendwie gestresst. Ein Gespräch mit einem Taxifahrer bringt Aufklärung: die „Schuldenkrise“ hat ST. KITTS erfasst! Die Regierung hat zu viele Schulden gemacht. Seit der Lehman-Krise lahmt die Wirtschaft und nun fehlen die Einnahmen. Da hat man kurzerhand eine Mehrwertsteuer in Höhe von 17% eingeführt – die gab´s vorher nicht und ist auf den Nachbarinseln nur bei 2% oder so. Ergo: die Preise auf ST. KITTS steigen, alles ist astronomisch teuer und die Leute sind mies drauf.

Nichts wie weg hier!

Auf NEVIS ist die gleiche Kacke.
Auch hier die 17% Mehrwertsteuer. Alles ist teuer.
Aber hier ist das irgendwie OK.
Alle Leute – also die wenigen Leute – auf NEVIS sind irgendwie relaxed.

Princess Diana war auch schon hier.

Wir mögen NEVIS. Und wir mögen die NEVISIANS.

Während ich das Boot von unten putze (und dabei fast ertrinke – aber das ist eine andere Geschichte), geht Diana am Strand spazieren. In einer Beachbar fragt man(n) sie, wie alt sie sei. Und schätzt sie auf Ende 20…

Im Hafen fragt man(n) sie, ob sie eine Athletin sei, die trainiere, denn ihre Oberarme seien so muskulös.

Diana kommt mit einem Strahlen zurück. Diana mag NEVIS.

Wir liegen ein paar Tage am Fuße des Nevis Peak vor Anker.
Ein fast vollkommen form-schöner Vulkan, saftig schön bewachsen.
Ungefährlich, fruchtbar und lieblich.
Und am Fuße von Menschen besiedelt…
Was für eine Idylle!

Fast etwas wehmütig brechen wir auf in Richtung MONTSERRAT.

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