Die PowerPuffs kommen

Der Regen kracht aufs Deck – laut wie Hagel!
Es ist 5 Uhr früh.
Diana schreit – und kriegt mich wach. Es ist stockdunkel draussen. Sie schreit. Ich schrecke hoch.
„Was?! Wie?! Wo!?“

„Raus! Du musst raus, es regnet!!! Alle Fenster und Luken zu!!!!!“
Ich schnelle hoch aus dem Bett und mache eine halben Auerbacher und dann…

WUMMS!
Au Weia, das tat weh.
Genau mit der Kniescheibe gegen die Kante der Tür.

Mir wird´s schwarz vor Augen. Alles dreht sich. Es zieht mir die Wirbelsäule hoch bis unter die Kopfhaut.

„Du musst hoch! Raus! Es fängt an zu regnen! Mach alles zu! Du weisst doch, ich kann nicht mehr so schnell…“
Warum kann sie nicht so schnell?

24 Stunden vorher:

Die PowerPuffs kommen!

Sandy und Betty.

Sandy aus Hamburg für eine Woche.

Und Betty aus Shanghai für zwei Wochen.

Diana freut sich seit Wochen und kriegt das Grinsen nicht mehr von den Lippen.

Heute muss dafür eingekauft werden. Wir müssen rüber auf die andere Seite, die Holländische Seite, ins Le Grand Marché. Wir beschließen mit dem Dinghy im PORT DE PLAISANCE anzulegen, einer alten Russen-Mafia-Marina mit Riesen-Casino und Treppen, die im alt-griechischen Style ins Wasser abfallen. Hier kann man super fest machen und rüber in den Grand Marché. Die römischen Treppen reichen direkt bis hinunter ins Wasser. Links und rechts liegen Millionen-Yachten aus aller Welt.

Ich steure Roter Oktober auf diese alberne antike Treppe zu und Diana hüpft gschwind` über Bord.

Gschwind`…

Sie steht für den Bruchteil einer Sekunde grade und strahlt mich an, nur um dann in absoluter Slowmotion im 45 Grad Winkel schräg rechts runter nach hinten zu drehen.

AUTSCH!

Sie knallt zwischen Dinghy und Griechentreppe direkt auf den glitschigen Basalt.

Tschi wutzsch – der Knöchel schrabbelt leiselaut am Stein entlang und schwillt sofort an.

Diana weint.

Ich behalte die Wachleute im Auge…

36 Stunden vorher:

Die PowerPuffs kommen!

Wir brauchen Wasser. Viel Wasser. Alle PowerPuffs haben lange Haare.

Wir funken am frühen Morgen die Tankstelle in der MARINA FORT LOUIS an und siehe da wir kriegen sofort einen Slot zum Tanken – das kann auch mal schnell einen halben Tag dauern, um 500 Liter Wasser zu fassen. Jetzt aber geht´s gleich. Glück muss man haben.

Los. Alles drin und dran und los.

Tsch. Krilllllll. Trasch. Tschhhhhhhh. 

Häh? Was´n das jetzt?

Springt etwa der Motor nicht an?

Kann nicht sein! Darf nicht sein – die PowerPuffs kommen!

KrillTcheck! ZzzzzzzummmmmmZaaaaT.

Aus.

Der Motor geht nicht an.

Fucker.

Ich mach mich im Frühstücksdress auf die Fehlersuche. Mit Taschenlampe in den Maschinenraum. Es sind 30 Grad. Draussen. Es ist 10 Uhr Morgens. Über Funk geben wir der Tankstelle Bescheid, dass wir nicht kommen können, da wir Probleme mit dem Motor haben – der Funker am anderen Ende freut sich und sagt „Cool, es sind 12 Leute hinter Euch“.

Unser Motor springt nicht an.

Siegfried.

SIEGFRIED, was ist!? Was hast Du?!

Ich pflege Dich immer und hege Dich und gebe Dir nur das allerbeste Zeugs zum Schlucken. Lass mich nicht hängen, Du Sau! Die PowerPuffs kommen – ich brauch Dich!

SIEGFRIED winkt ab und schiebt alles auf die Batterie.

Mit 180er-Puls baue ich die verfluchte, tonnenschwere Batterie aus und fahre mit dem Mini-5-PS-Dinghy gegen super hohe Wellen im Morgengrauen in die Chandlery und erstehe für 200 Dollar eine neue Starterbatterie.

Tzschrumps – SIEGFRIED startet auf den ersten Knopfdruck, nachdem die Batterie eingebaut ist! Es folgt wilder Funkverkehr und danach werden 500 Liter Wasser gefasst.

Na also, geht doch!

6 Stunden vorher:

Der Regen kracht aufs Deck – Diana schreit und KRACH – mein Knie kracht gegen die Türkante!

Scheiße, die PowerPuffs kommen und Diana liegt doch schon flach mit super-dick-geschwollenem Knöchel…

Jedenfalls kann sie noch Anweisungen geben. Ich humple zum Frühstückstisch und mariniere erstmal das Hühnchenfleisch: Knobi, Zwiebeln, Curry, Ingwer, Paprika, Jalapenos und zwei Becher Joghurt usw. Alles gut gemischt und dann zwölf Stunden in den Kühlschrank. Chikken Tikka für die PowerPuffs – haben bestimmt Hunger.

Trotzdem schwillt mein Knie an und lässt sich nicht mehr bewegen.

Diana kann ihren Knöchel auch nicht mehr bewegen.

Toll.

Und plötzlich stellt sich die Frage, wer denn die PowerPuffs überhaupt noch vom Flughafen abholen kann….

Ich bin´s und kämpfe mich durch. Mit Bandage und Iboprofen in allen Varianten.

Im Dinghy gegen meterhohe Wellen und Super-Böen.

Am Flughafen warte ich auf die PowerPuffs.

PowerPuffs?

Was ist das eigentlich?

Eine kleine aber feine koreanische Manga-Zeichentrickserie oder so, in der 3 tolle Cartoon-Mädels des Windes unzählige Abenteuer und Feinde besiegen. Seitdem sich die drei Mädels mal vor Jahren zusammen in Shanghai getroffen hatten und in einen Schneesturm gerieten, seitdem heißen die so.

Na gut.

Als sich die Türen des Flughafens öffnen kommen mir Sandy und Betty entgegen. Betty kam aus Shanghai und war in Paris zwischengelandet, um mit einem Champagner auf Sandy aus Hamburg zu warten, um dann weiter in die Karibik zu fliegen. Sandy kommt an mit hanseatisch-vornehmer Blässe. Ob man bei Betty noch von „vornehmer Shanghaier-Blässe“  sprechen darf, weiß ich nicht.

Ich jedenfalls freue mich tierisch – wenn auch humpelnd – diese PowerPuffs vom Flughafen abzuholen und zu ihrem Bestimmungsort zu bringen: zu ihrer unsagbar ungeduldigen Freundin.

Als wir die 5 Minuten Fußweg vom Flughafen zum Dinghy-Dock hinter uns haben und ich fröhlich bis stolz auf Roter Oktober zeige und die Damen zum Einsteigen ermutige, rollt Sandy mit den Augen:

„Das da ist jetzt nicht dein ernst, was Alter!?“ und deutet auf Roter Oktober…

„Was? Wieso?! Das ist ein gutes Dinghy?!“

„Ich dachte du hast einen ordentlichen Mietwagen. Da steig ich nicht ein. Das wackelt und ist viel zu klein. Ok, wenns unbedingt sein muss.“

Die Fahrt zu SCOOBY ist lang und feucht.

Es ist viel Wind und es sind viele Wellen.

Die Wellen schlagen über die Seite des Dinghys und machen Sandy nass.

Die sitzt mir schweigend gegenüber.

Und wird nass.

„Hey Sandy ist nicht mehr weit. Alles ok?“

„Jo.“

„Echt?“

„Jo.“

„Aber du wirst ganz nass… Die Wellen spritzen ins Dinghy und machen Dich und Deine feinen Fell-Uggs nass….“

„Kein Problem“ sagt sie und guckt mich aber an, als ob sie mich am liebsten lebendig fressen würde.

Betty sitzt weiter vorne im Dinghy und ist schon nass.

Betty kichert.

Und murmelt irgendetwas unverständliches.

Und kichert dann wieder.

„Alles ok Betty?“

„Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja. ja, ja, ja“.

Als wir die Lagune durch den Kanal raus aufs offene Meer verlassen, werden die beiden ganz still.

Jetzt sind wir längst in Frankreich und es ist nicht mehr weit.

SCOOBY ist bald erreicht… Und Diana auch – die sich so sehr freut…

 

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